Grundrissplanung

22 Feb Wie zeichne ich einen Raum – Teil 2

Nachdem es im ersten Teil dieser Beitragsreihe um grundlegende Informationen wie z.B. Hilfsmittel und Maßstabsrechnung ging, wird die Reihe nun fortgesetzt durch Teil 2.

„Wie zeichne ich einen Raum – Teil 2“ beschäftigt sich mit folgendem Thema:

  • Schritt-für-Schritt-Anleitung
  • Wichtige Maße und wozu sie gebraucht werden.

Hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die ich bei Aufmaßen verwende:

  • Papier, ein Klemmbrett und einen Stift zur Hand nehmen.
  • In den Türrahmen stellen. Selbstverständlich dürfen Sie auch am Tisch sitzen. Ich finde jedoch, dass man von der Tür den besten Überblick hat. Es geht jetzt darum eine schnelle Raumskizze anzufertigen in die Maße eingetragen werden können. Vor allem wenn man alleine misst, sollte man den Zeichen- und den Messvorgang separieren (geht schneller).
  • Die Wandlängen, sowie etwaige Wandvorsprünge aufnehmen (ohne Maßstab, Lineal und Rücksicht auf Fenster etc.). Am besten gehen Sie bei jedem Schritt im Uhrzeigersinn vor.

  • Türen einzeichnen. Dabei ungefähr den Abstand zur nächsten Raumecke abschätzen. Wichtig: Die Aufschlagsrichtung (Öffnungsrichtung) der Tür mit einzeichnen. Der Türteil mit Griff dreht sich um den angeschlagenen Türteil (Scharnier). In meinem Beispiel schlägt eine doppelflüglige Tür nach außen auf.
  • Fenster und Heizungen einzeichnen. Dabei ungefähr Abstände abschätzen.

In den meisten Fällen reicht so eine Skizze bereits, also z.B., wenn Sie selber eine neue Möblierung planen wollen. Gehen wir also zum Schritt des Messens über.

  • Legen Sie Maßketten an. Das sind Linien, die um den Grundriss herum gezeichnet werden, die dann mit den dazugehörigen Maßen versehen werden. Ich lege immer je Raumseite 2 Maßlinien an. Einmal für die Gesamtlänge und einmal für die Einzellängen. Die Gesamtlänge zu messen könnte man sich natürlich auch sparen, wenn man alle Einzellinien zusammenrechnet. Um aber zu überprüfen, ob ich mich bei den Einzellängen nicht vermessen habe, messe ich die Gesamtlänge immer einmal mit. Wenn Sie Möbel zeichnen brauchen Sie eine dritte Maßlinie oder Sie verlegen die Maßlinien für Möbel in den Grundriss (so wie im Beispiel). Setzen Sie dann auch die Enden der Einzellängen an die Maßlinien (z.B. mit einem Endstrich der diagonal durchkreuzt wird). Die Außenlinie ist für die Gesamtlänge, die Innenlinie für die Einzellängen.

  • Beginnen Sie nun reihum zu messen und die entsprechenden Maße einzutragen. Es werden erst mal nur alle Längen aufgenommen. Alle Längen tragen Sie oberhalb der dazugehörigen Maßkette ein. Entscheiden Sie sich vorab für eine Einheit. Ich nutze meist die Einheit Meter (z.B. „1.65“). Das m für Meter dürfen Sie dabei getrost weglassen. Und bei Einzellängen unter 1m kann man, um Platz zu sparen, auch die 0 weglassen (z.B. „.65“). Im Beispiel habe ich die linke Wand, die diagonale Wand und den Bereich zur Tür vermaßt. Bei Türen sollten Sie nicht nur die Öffnung messen, sondern von Außenkante Rahmen zu Außenkante Rahmen.

  • Türen und Fenster werden gesondert behandelt, da hier weitere Maße eine wichtige Rolle spielen (können). Beginnen wir mit der Tür. Messen Sie die Türhöhe und tragen Sie diese unterhalb der Maßlinie der Türbreite ein (meine Tür ist 2.45 m hoch). Gleiches machen Sie nun bei den Fenstern. Bei den Fenstern ist zusätzlich die Brüstungshöhe (kurz BRH) interessant. Diese wird zusammen mit dem Kürzel an das jeweilige Fenster geschrieben.

  • Als letztes Maß nehmen Sie die Raumhöhe. Setzen Sie einen „Raumstempel“. Ein reduzierter Raumstempel enthält die Nutzung (z.B. Wohnen, Küche…), die Fläche in m² und die Raumhöhe.

Jetzt haben Sie einen Grundriss mit dem Sie schon allerhand anfangen können. Vielleicht haben Sie sich bei Lesen schon gefragt „Wozu brauch ist das?“. Es stimmt natürlich, dass Sie nicht für jeden Zweck alle Maße brauchen und für manche Zwecke brauchen Sie auch noch mehr Maße, als die die ich im vorangegangenen Teil erwähnt habe. Daher fasse ich Ihnen nachfolgend alle erwähnten und ein paar unerwähnte Maße zusammen und benenne Ihnen mögliche Gründe dafür diese Maße zu nehmen. Die Notwendigkeit von Wandlängen, Tür- und Fensterbreiten lasse ich dabei unberücksichtigt, sie gehören zum Grundgerüst eines gut gezeichneten Grundrisses.

Türhöhe:

Es gibt schöne innenarchitektonische Lösungen für z.B. Bücherregale, die über der Tür fortgesetzt werden, um die komplette Raumhöhe auszunutzen. Wenn Sie überlegen eine abgehängte Decke montieren zu lassen (z.B. für das Einbringen von Beleuchtung) müssen Sie von der Raumhöhe die Türhöhe subtrahieren und erhalten so die verfügbare Abhangdeckenhöhe.

Fensterlaibung, Fensterbank und Brüstungshöhe:

Die Fensterlaibung (auch Fensterleibung) ist die Stirnseite der Öffnung, also die „geschnittene“ Wand. Ist die Laibung tief genug können hier z.B. Innenrollos etc. montiert werden. Weiterhin kann man Laibungen im Material der Fensterbank verkleiden, sodass das Fenster „umrahmt“ wird.

Wollen Sie ein Möbelstück unter einem Fenster platzieren oder z.B. die Arbeitsplatte einer Küche in das Fensterhineinlaufen lassen, dann benötigen Sie das Maß der Laibung oder auch das Maß der Fensterbank, die oft in den Raum hinein ragt.

Wenn Sie etwas unter dem Fenster platzieren wollen, benötigen Sie die Brüstungshöhe abzüglich der Höhe der Fensterbank. Wenn die Brüstungshöhe geringer ist als normal und die Laibungstiefe es hergibt können Sie ein Sitzfenster ausbilden.

Öffnungsrichtung:

Die Öffnungsrichtung ist wichtig, wenn Sie hinter der Tür ein Möbelstück platzieren wollen. Lasse Sie genug Abstand, sodass die Tür nicht gegen das Möbelstück knallt. Auch Öffnungswinkel von Fenstern können wichtig sein, etwa wenn Sie eine Küchenzeile vor einem Fenster planen. Und auch bei bodentiefen Fenstern, die z.B. als Zugang zur Terasse genutzt werden, sollten Sie die Öffnungsrichtung einzeichnen. Alles was in den Raum ragen könnte, sollte aufgenommen werden.

Raumhöhe:

Die Raumhöhe wird gebraucht für mögliche Abhangdecken, um die Länge von Gardinen und Vorhängen zu ermitteln, um Wandflächen zu berechnen (z.B. wenn Sie Malerarbeiten planen), um die optimale Abhängung von Leuchten oder Dunstabzugshauben zu ermitteln etc.

Heizungen und sonstige Installationen:

Die Heizung habe ich in der obrigen Anleitung gesondert herausgegriffen, da sie ein alltägliches Element ist, welches die Möblierung des Raumes stark beeinflussen kann. In vielen Fällen ist es hilfreich auch von Heizungen alle wichtigen Maße zu nehmen (Breite, Tiefe, Höhe, sowie Bezugspunkt zu einer Wand). Das Gleiche gilt für sonstige Installationen wie z.B. Wasseranschluss, Steckdosen, Schalter, Rohrleitungen und TV-Anschluss. Auch die Position von Kabelauslässen für Pendelleuchten kann im Grundriss hilfreich sein (z.B. wenn man seinen Esstisch gerne mittig unter eine Pendelleuchte stellen, aber das Kabel nicht verziehen möchte).

Materialänderung:

Nehmen wir an, dass Sie in eine Wohnung ziehen und keine Küche dafür aber ein Fliesenspiegel vorhanden ist, den Sie weiterverwenden wollen. In dem Fall sollten Sie dieses Fliesenfeld ausmessen. Zeichnen Sie dafür am besten eine Wandansicht mit den erforderlichen Maßen. Gleiches gilt für WC/Badezimmer.

Vorwandinstallationen:

Vorwandinstallationen auszumessen kann nicht schaden, wenn diese neu gefliest werden sollen oder wenn ein passgenaues Möbelstück montiert werden soll.

Raum- und Wandfläche:

Die Raumfläche benötigen Sie z.B., wenn Sie neuen Bodenbelag verlegen oder wenn Sie die Decke streichen wollen. Gleiches gilt für die Wandflächen. Haben Sie auch schon mal zu viel oder zu wenig Farbe gekauft, weil Sie geschätzt haben? Multiplizieren Sie die Raumhöhe mit der Wandlänge, subtrahieren Sie Fenster- und Türflächen und schon wissen Sie für wie viel m² Sie Farbe benötigen. Ein Tipp am Rande: Wenn Sie eine Farbe kaufen, dann kaufen Sie immer ein kleines bisschen mehr und füllen Sie sich die überschüssige Farbe ab. So gelingen Ausbesserungen ohne Farbflecken.

Wenn Sie wollen können Sie jetzt mithilfe eines Geodreicks eine maßstabsgetreue Zeichnung anfertigen. Das ist immer hilfreich, wenn man eine neue Möblierung plant. Wie das geht lesen Sie in Teil 1 dieser Beitragsreihe.

Nachtrag

Für all diese Arbeiten können und sollten Sie bei kniffligeren Projekten (alles, was über: „Ich kaufe mir dann mal neue Möbel und streiche ein bisschen“ hinausgeht) einen Fachmann oder eine Fachfrau engagieren.

Wie schon John Ruskin sagte:

„Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.“

In diesem Sinne viel Erfolg beim Aufmaß!

Ihre Katharina

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